postkarte

desöfteren hab ich über den trüben blick den wir (ich auch) oft haben. oft auch hab ich mich gefragt wo das milchglas her kommt. warum entsteht sowas, wann, wo der auslöser ist. auch die frage um dessen verschwinden beschäftigt mich. vielleicht schaffe ich es zu verstehen wenn ich umdenke. ich versuche die sache von hinten anzupacken und analysiere als erstes das ende, in der hoffnung daß ich so den anfang näher komme.

kling wie knobbelspiel. ist vielleicht auch ähnlich. und ich, als begeisterter umdenker und freund von all diese kleine fummeliege dinge die jeder zweiter innerhalb von den ersten zwei munuten gegen die wand pfeffert, versuche neue wege einzuschlagen. möglicherweise sind die knobbelfähige umdenkleistungen das was ich um diese frage zu beantworten brauche. klingt zumindest plausibel und ist deshalb ein versuch wert.

hab heute eine postkarte bekommen. und mein blick ist seitdem klarer. das sind erstmal die fakten.

jeglicher zusammenhang zwischen das was mich übermäßig beschäftigte (oder die tatsache daß es nicht mehr so ist) und diese karte ist rein kronologisch. auch die tatsache daß die karte angesagt war, und deshalb keine überraschung war, schließt die verbindung von den zwei sachen aus, zumindest jegliche direkte. aber mein hirn leitet seitdem das selbstheilungsprozeß ein. komisch… gut, klar, sehr gut sogar, aber trotzdem komisch.

die voraussage über die karte hat mich auch gefreut. aber warum schaft dieses stück pappe aufeinmal mehr? ich könnte die ganze sache als zufall bezeichnen aber damit würd ich mir selber ein bein stellen. ich will wissen warum es so ist. ich brauche erfahrungen, sachen die mir helfen mich selber zu kennen und zu verstehen. vielleicht schaffe ich es so beim nächsten mal anders zu machen. nicht daß ich meine “tiefs” ausschließen will, weil die brauche ich auch, aber ich könnte durchaus besser damit umgehen. ich könnte mir ein zeitlimit setzen, zum beispiel, und die grenze ziehen bevor es ungesund wird.

unumstritten ist der faktor “briefkasten”. man weiß nie was drin ist, und meistens wartet eh keine schöne überraschung drin. was schönes daraus zu holen hat seltenheitswert und wird deshalb höher bewertet als zum beispiel eine sms.

der plastischer faktor (man kanns in der hand nehmen) ist auch zu bewerten. fühlt sich ganz anders an als ein text aufn handy.

handschrift, unterschrift, freischnauze formuliert, mit mehr als 160 zeichen, persönlich! alles merkmale die dieses stück pappe ihren ganz besonderen charme verleihen, nur durch ein brief zu übertreffen.

auch die reihenfolge der schritte bei der betrachtung von der karte (jeder hat da seine ganz eigene) erzeugt ein altbekanntes wohlbefinden. es ist ein ritual. man celebriert es redlich. ich zumindest tue es. zuerst schaue ich auf die unterschrift, noch ohne den text zu lesen. will erst wissen von wem, ist doch klar. danach dreh ich die karte um und schaue mir das bild an. erst wenn sich meine alten augen an das foto erfreut haben, dann dreh ich wieder die karte um. dann lese ich sie, meistens zweimal. als nächstes kommt eine pause indem ich sie nicht in der hand habe. meistens bin ich in dieser zeit nur im unterbewußtsein mit der karte beschäftigt, da ich mich sichtbar mit was anderes beschäftige. aber dann nehme ich die karte wieder, lese sie mir wieder 2-3 mal durch. und erst danach schaue ich mir die beschreibung für das bild an (linke obere ecke, meistens durch das handgeschriebene nicht mehr ohne mühe zu lesen), und wie die angaben für den empfänger geschrieben sind. dann folgen einige tage die die karte gut sichtbar auf dem küchentisch liegt, bis ich sie bei den anderen an der großen wand hänge. wie gesagt, ein altbekanntes ritual.

ich vermute daß grad diese rituale die auslöser sind. man findet zu sich zurück. auch in viele andere derartige situationen hab ich mich mit meine rituale (ohne sie so zu nennen) therapiert. ich finde oft nah am wasser, im grünen, mit mein zeichenblock, die kraft die ich suche. es sind vertrauten abläufe die mir ganz persönlich gehören. teilweise setze ich sie mit therapeutischen hintergrund ein. aber es sind keine immerwirkende heilmitteln. warum denn grad jetzt?

erste theorie: es wäre jetzt eh passiert. der zeitplan von dessen existenz mein hirn mir nix gesagt hatte… nö, humbuck!

zweite theorie: ich hab die kraft, die ich in letzter zeit nicht verschwendet hab um dagegen anzukämpfen, jetzt mobilisieren können. die postkarte war der auslöser. für ein moment war ich damit abkelenkt, in mein ritual vertieft. es hat gereicht.

in dieser stadium meiner selbstbetrachtung, bin ich der meinung daß man den kraftaufwand effektiv einsetzen soll, den man gegen sich selbst richtet. sich zu erlauben bestimmte stimmungsschwankungen zuzulassen, macht uns menschlich. wer seine pegel kappt und sich von sein humanes dynamisches gleichgewicht verabschiedet, der entwickelt sich von mensch zu (optisch) menschenähnlisches wesen. auch das moderne zulassen daß man sich bestimmte rituale nicht mehr antut (wegen mangel an zeit oder was geldbringendes anstatt dessen machen zu können, oder gesellschaftsbedingte pseudo-moralische oder soziale konflikte usw…) sterilisiert uns.

noch ein tip, für die die es bisher verstanden haben: man braucht kein anderen grund als “mir war danach” um ‘ne karte zu schreiben.
little Joe

veröffentlicht am 22. August 2007 unter dünnpfiff / thin whistle

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