gepiepe auf reisen

da steht man aus spaß um 4 auf, nachdem handverlesene wecktöne aus eine kleine herde von zeitgeber ihr bestes um die wette geben. daß sich der schlaf grad in die stufe II befindet, empfindungsmäßig noch in minuten wiedergebbar, darf leider nicht in die wertung mit einfliessen. der tag (anhand vom anteil an sonnenlicht draußen, schon ein witzig/makkaberer ausdruck) geht los deshalb “augen auf und durch”.

kaffee ist fertig. man ist ja nicht ganz blöd und hat die kaffemaschine mitm zeitzünder am abend davor bestückt. daß die heiße brühe nach alles andere schmeckt, nur nicht nach was sie sollte, liegt sicherlich an den noch nicht durchgebluteten geschmacksnerven. egal. hauptsache es knallt.

badezimmer. da steht einer vorm spiegel mit kippe im mund und denkt sich nur “ein wort von dir über mein aussehen und ich nehme die sieben jahre pech gern in kauf”. egal. fresse polieren bevor man am eigenem mundgeruch erstickt und ‘n schluck kaffee hinterher um den ekelhaften geschmack wieder ausm mund zu kriegen. die kippe wartet auch, qualmend, neben den alten rasierer.

die frage über die notwendigkeit einer rasur bleibt unbehandelt. schon krass daß man(n) sich im winter freiwillig vom kostenlosen selbstschutz der ihm sein körper schenkt trennt… die gefahr eines blutbades wegen der noch schlafende aufmerksamkeit darf dann auch großzügig mißachtet werden. die kippe bleibt im mundwinkel. in eine hand der rasierer, in die andere die geflieste wand wegen gleichgewichtsstörungen. es ist kurz vor 5.

5 uhr. die dusche war willig aber an der auferstehung nicht wirklich mitwirken wollen. wann fährt der zug nochmal? ich brauche ‘n kaffee. kippe. hinsetzen und nachdenken.

es ist doch frisch draußen. an die 10°c, leider unter null. warm einpacken. raus.

straßenbahn haltestelle, kurz nach 5. nachts fahren nur busse. hab ein grad verpaßt. in die richtung wo ich hinwill, wird die haltestelle vom bus nicht bedient. wenn ich aufm nächten warte, verpasse ich den zug und gewinne dafür ein gutschein für ‘ne satte unterkühlung. ich geh zufuß.

nächste haltestelle. grad kam mir eine straßenbahn entgegen. also, fahren sie doch schon. ich hatte nicht mal aufm plan von der bahn geschaut, sondern nur aufm bus-plan. macht nix. die 500m marsch im rutschigen schnee waren auch nicht sooooo schlimm. die bahn kommt und ich steige ein.

sitzplatz. köpfhörer suchen, reinstecken, acdc. langsam werd ich doch wach. am bahnhof raus. noch 10 minuten zeit. fahrkarte.

da steht ein schrank, bunt angemalt, mitn fensterchen und knöpe. überm schlitz leuchtets rot. wenn ich nicht in bar bezahlen kann, ist es nicht mein automaten. nächster.

aha. am nächsten leuchtets grün. knapp zwanzig kostet mein ticket. also, zwanni rein. dann sagt er mir daß er keine zwannis mag. kein problem, ich hab auch zwei zehner bei. ich stecke den ersten rein. als ich den zweiten reinstecken will, mag der schrank auch keine zehner mehr. aber fünfer. auch ok, hab ich. ein nimmt er und als ich den zweiten… nein, hartgeld hab ich nicht. abbruch-taste und ein herzliches augenrollen an die deutsche bahn adressiert, mitm dankeschön für die vergeudete zeit in der ich locker eine kippe aufm bahnsteig hätte rauchen können.

es folgt anderthalb stunde zwischen kaffeautomaten und fensterplatz, zwischen black ice und wellcome to the jungle. fahrkarte hab ich von der blonde mit der mütze gekriegt. der tag bricht an. hab mein rucksack inzwischen schon aufm schoß nehmen müssen weil sich immer mehr leut dafür entschieden haben, mich auf reisen zu begleiten. beim nächstem mal halt ichs geheim und dann hab ich meine ruhe. diese sammlung von deos und durchhallende mp3s ist nicht meine liga. ich schaue ausm fenster und dreh meins lauter. van hallen massiert mir die denkdrüse.

bin da. anderthalb stunde hab ich noch zeit bis zum termin um 9. hat doch alles ganz prima geklappt. schnell ein paar sudokus kaufen und mit straßenbahn gehts weiter.

am ziel. noch ‘ne dreiviertelstunde bis zum termin. mein kaffeewert im blut ist niedrig, sehr niedrig. das ding im zug heißt nur kaffeeautomat weil nachdem man geld reingesteckt hat, man automatisch an kaffee denkt. das was man da bekommt, beschreibe ich lieber nicht.

langsam hab ich mich moralisch aufm termin vorbereitet. mit kaffee gestärkt melde ich mich freudestrahlend an der ausgemachte stelle.

mein ansprechpartner, der letzendlich nur ein zwischenvermittler ist, ist noch nicht im hause. mit mein namen kann keiner was anfangen. kein problem, ich warte ein wenig.

der termin ist inzwischen eine stunde überfällig. ich hinterlasse meine visitenkarte und bitte um rückruf wenn die mit mir verabredeten personen antreffen sollten.

mittag, zwölf uhr. hab die letzten 3 stunden damit verbracht, den ph-wert meiner magensäfte zu senken. kurzer bummel durch den elektronik-laden. beim reingehen piepts. da fragt mich die puppe von der info, grinsend, ob ich was mitgebracht hätte. ja, antwortete ich. klauen sei schließlich schon lange out. trotz der im schließfach abgeschlossenen tasche und jacke, piept die schranke weiterhin bei mir. egal. weder ich noch der sicherheitstyp wissen woran es liegt, also geh ich trotzdem rein. ja, beim rausgehen piepts wieder. aber ich muß nochmal durch die ersten schranken um meine tasche ausm schließfach zu holen. als ich mittendrin stehe, klingelt mein handy. ich bin schon so abgenervt daß ich da stehen bleibe und versuche mitten im gepiepe das zu verstehen was mir die welt sagen will. erst beim auflegen wird es mir klar daß einen schritt weiter gar kein gepiepe gegeben hätte. ich hatte es selber verursacht, wie schon beim reingehen. also, merke, wenns piept: entweder vor oder zurück, sonst hörts einfach nicht auf.

der termin startet doch, nur anders. mir solls egal sein. eine halbe stunde später bin ich nicht nur eine erfahrung reicher. hat sich doch geloht. rückreise? erst ‘ne ausgiebige kippe, bevor ich mir die kälte wieder antue.

kaffee, schon aufm bahnhof wieder. dann noch ‘ne kippe aufm bahnsteig. dann diese allzu bekannte wie geliebte stimme aus der tröte: “der zug verspätet sich um…”. dann rauche ich halt langsamer, wat solls. fahrkarte hatt ich mir schon geholt, also alles easy.

beim einsteigen, wieder ein bekanntes bild. die frage die mich bei so ‘n anblick immer wieder stellt ist: ging es wirklich um leben oder tod, würden die menschen dann anders sein?; weil hekticher gehts in meine vorstellungskraft kaum. es einnert mich an ein altes bild vom erdnuß den mann im mini reinwirft, wenn grad ‘ne herde von elefanten rinksrum steht.

ich brauche kein erdnuss. auch fensterplatz ist mir nicht wichtig. ich hab meine dröhnung in den ohren und will nach hause. stressige welt…

bin daheim. kaffee ist immer noch fertig. nach 12 stunden in warmhalte-funktion schmeckt er immer noch besser als das zeug im zug. ja, ich hatte vergessen die kaffeemaschine auszuschalten.

bin alle. einkaufen muß ich noch. besuch hat sich angemeldet. bett, mein geliebtes bettchen, wann darf ich deine wohltuende wärme wieder spüren?…

erstmal ausziehen. pantoffeln. kippe. pulli hingeschmissen und die couch gehört mir.

aber ausm von links gedrehten pulliknäul sticht mir was im auge: das schild mit der waschanleitung. seltsam… da sind zwei. wozu, wenn die marke auch am kragen innen schon steht?

am zweitem steht: “vorm tragen, bitte entfernen”.
das vergnügen, meine tasche beim detektiv aufzumachen, hatte ich wunderlicherweise auch schon am tag davor gehabt. geklaut hatt ich auch nix, aber den selben pullover an.
little joe

veröffentlicht am 11. Januar 2009 unter flying outside

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